04.07.2012

Energienews 03/2012

Hohe Maßstäbe, wenig Transparenz: Zu strenge Vorgaben behindern Sanierungsvorhaben

Verordnungen mit zu hohen Maßstäben für energetische Sanierungsvorhaben verunsichern Hausbesitzer, die über energieeinsparende Investitionen an Heizung und Gebäude nachdenken. Für die Mehrzahl ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis ausschlaggebend: Eine Sanierung soll bei möglichst geringer Investition in kurzer Zeit zu möglichst hohen Einsparungen führen. Doch Maßnahmen, die heute gefördert werden, können morgen schon unter dem notwendigen Standard liegen. Für Sanierungswillige ist die Lage oft schwer überschaubar und steht damit einer nachhaltigen Sanierungspolitik im Wege. 

 

Hausbesitzer, die energetische Sanierungsmaßnahmen an  Heizung und Gebäude planen, müssen sich an den Richtlinien der Energieeinsparverordnung für Gebäude (EnEV) orientieren. Die aktuelle EnEV 2009 gibt Standards für die Wärmeversorgung von Gebäuden vor, die neu- oder umgebaut werden. „Sanierungen und Erneuerungen an Gebäuden und Heizungsanlagen sind so an den Klimaschutzzielen der Bundesregierung ausgerichtet. Hausbesitzer sollen langfristig planen, klimaschonend und effizient heizen“, sagt Hans-Jürgen Funke, Geschäftsführer des Verbands für Energiehandel Südwest-Mitte e.V. (VEH).  

 

Hohe Sanierungsmaßstäbe fordern hohe Investitionen

 

Zu strenge Vorgaben können jedoch problematisch sein, da bestimmte Bau- und Förderstandards nur mit sehr großen Investitionen erreichbar sind. Die energetischen Anforderungen für Neubauten wurden etwa in der EnEV 2009 zur Vorgänger-Verordnung (EnEV 2007) um 30 Prozent verschärft – für die EnEV 2012 hatte die Bundesregierung im Jahr 2007 eine Anhebung des Anforderungsniveaus um nochmals 30 Prozent angekündigt. „Es ist erfreulich, dass von dieser ursprünglich geplanten Anhebung abgerückt wurde. Wie das Bauministerium festgestellt hat, ist eine erneute 30-prozentige Verschärfung nicht wirtschaftlich – und damit eben nicht vertretbar“, so Funke. „Zu hohe Vorgaben bergen einfach die Gefahr, dass Sanierungen als nicht mehr lohnenswert erachtet werden oder kleinere Sanierungsvorhaben nicht mehr genehmigt oder gefördert werden können.“

 

Doch die Verschärfung wird nicht nur unter den Gesichtspunkten von Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit kontrovers diskutiert: „Wenn Hausbesitzer durch die geänderten Rahmenbedingungen, wie zu hohen gesetzlichen Vorgaben, von Sanierungsmaßnahmen zur Energieeinsparung abgeschreckt werden, entwickelt sich das Modell in die falsche Richtung und hat keine Auswirkungen mehr auf Klima- und Umweltschutz“, so Funke.

 

Einen praxisnahen Überblick sowie umfassende Informationen rund um die EnEV 2012 – die voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2013 in Kraft treten wird – bietet die aktuelle Broschüre des Institut für Energie-Effiziente Architektur mit Internet-Medien (Stand: Juni 2012).

 

Problematik zu hoher ordnungspolitischer Vorgaben

 

Ein weiteres Beispiel für mögliche Auswirkungen zu hoher Sanierungsvorgaben ist das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) des Bundes, das Hauseigentümer seit 2009 dazu verpflichtet, bei Heizungsanlagen in Neubauten erneuerbare Energien einzubinden. Weitergehende Regulierungen, wie beispielsweise für Heizungssanierungen im Bestand, beobachtet der VEH kritisch: „Der Einsatz erneuerbarer Energien ist in der Regel sehr kostenintensiv“, so Hans-Jürgen Funke. Die Entwicklungen in Bezug auf das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) in Baden-Württemberg zeigten anschaulich die Probleme bei derartigen ordnungspolitischen Vorgaben: „Die Pflicht, bei Heizungssanierungen zehn Prozent erneuerbare Energien einzusetzen, hat seit Inkrafttreten des Gesetzes 2010 zu einem regelrechten Sanierungsstau geführt.“ 

 

Verbraucher wollen in erster Linie Geld einsparen

 

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist für Hausbesitzer ausschlaggebend für die Entscheidung zu energetischen Sanierungsmaßnahmen. Vor kurzem hat das IWO-Fachmagazin raffiniert in Interviews mit Energieberatern, die im Rahmen der „Aktion Energie-Gewinner“ des IWO engagiert sind, erneut gezeigt, dass sich die Experten in diesem Punkt einig sind. Weiterhin wurde angeregt, dass das Regelwerk vor allem überschaubarer und offener gestaltet werden sollte. Von den Fachleuten bemängelt wird insbesondere die Unübersichtlichkeit der KfW-Förderprogramme.

 

Es ist deutlich: Verbraucher wollen in erster Linie Geld sparen. Daher sollte der Nutzen von Sanierungsmaßnahmen schnell ersichtlich sein. „Bei zu vielen Zusatzbedingungen verlieren Sanierungswillige die Orientierung und sind verunsichert. Ist der Aufwand vor der Sanierung unverhältnismäßig hoch, wird im schlechtesten Fall ganz auf wichtige Maßnahmen verzichtet“, bemängelt Hans-Jürgen Funke. Energieberater müssen dann vermehrt Überzeugungsarbeit leisten. Das gilt insbesondere für ältere Hausbesitzer, bei denen sich eine teure Sanierung sogar erst für die Erben lohnen kann.

 

Heizungssanierung ist die effektivste Einzelmaßnahme

 

Eine Komplettsanierung ist für viele Hausbesitzer aufgrund der hohen Kosten trotz Förderung kaum zu realisieren. Doch auch in Teilsanierungen steckt erhebliches Energiesparpotenzial. Die Auswertung der „Aktion-Energie-Gewinner“ des IWO hat gezeigt, dass beispielsweise durch den Einsatz einer modernen Hybrid-Heizung mit Öl-Brennwerttechnik in Kombination mit Solarthermie durchschnittlich 38 Prozent Primärenergie eingespart kann. „In der Aktion erwies sich die Heizungssanierung damit als die effektivste Einzelmaßnahme. Die Kosten amortisierten sich ebenfalls nach einer relativ kurzen Zeit“, so VEH-Geschäftsführer Funke.

 

Das IWO vergibt im Rahmen der Aktion noch bis Dezember 2014 Fördergelder an ausgesuchte Energiesparmaßnahmen. Interessenten finden weitere Informationen hierzu unter www.iwo.de.   

 

Der Newsletter als PDF zum Download.

 

 

« Zurück zur Übersicht »

Wir sind für Sie da

Verband für Energiehandel
Südwest-Mitte e.V.
Tullastr. 18
D-68161 Mannheim


Telefon:
(0621) 411095
Telefax: (0621) 415222
E-Mail: info@veh-ev.de

Mitglieder-Bereich



Energie-Tweets

Durch die Energie-Tweets auch unterwegs die wichtigen Neuigkeiten aus dem Energie- und Wärmemarkt lesen.

Ganz einfach und unkompliziert durch Twitter.

Individuelles Heizen

Klimaneutrales Unternehmen

Unsere Partner

Unsere Partner