23.08.2011

Energienews 03/2011

Lokale Wärmenetze werden in Zukunft unrentabel

Die Wirtschaftlichkeit von Wärmenetzen sinkt mit verbesserter Dämmung der zu versorgenden Gebäude und geringerer Anschlussdichte, heißt es in einer neuen Studie der Ostfalia Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel. Besonders lokale und kleinere Nahwärmenetze werden so in Frage gestellt.

 

„Diese Ergebnisse zeigen grundlegende Probleme in Bezug auf die Finanzierbarkeit vieler Wärmeprojekte von Bioenergiedörfern auf“, stellt Dr. Jörg Lenk, Geschäftsführer des Verbandes für Energiehandel Südwest-Mitte e.V. (VEH), fest. Die Wärmeversorgung in Bioenergiedörfern basiert oft auf lokalen Nahwärmenetzen, die an Stelle fossiler Energieträger wie Heizöl oder Erdgas, Wärmeenergie aus Biomasse wie Biogas oder Holzhackschnitzeln erzeugen.

 

Die veröffentlichte Studie an der Ostfalia Hochschule zeigt nun, dass sich eine Investition in den Neu- und Ausbau von Wärmenetzen in den wenigsten Fällen lohnt. Untersucht wurden die Teilaspekte Netzverluste, Wirtschaftlichkeit und energetische Ressourcenschonung.

 

Grundsätzlich unwirtschaftlich seien Wärmenetze in ländlichen Gebieten. Umstellkosten, Anschlussgebühren sowie Grundkosten, die durch die Beteiligung an der Betreibergesellschaft anfallen, überstiegen vor allem bei Niedrigenergiehäusern die vorherigen Kosten für fossile Brennstoffe. Die Betreibung eines Wärmenetzes lohne sich erst bei dichter Mehrfamilienhausbebauung mit jeweils mehr als 20 Wohneinheiten – sofern die Wärme großenteils aus der Kraft-Wärme-Kopplung stammt, so die Wissenschaftler. Auftraggeber der Studie waren das Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO), der Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) und das Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik (VdZ). Die vollständige Studie ist unter www.iwo.de abrufbar.

 

Der VEH empfiehlt Bewohnern und Hausbesitzern, sich umfassend zu informieren, um sich für die passende Energieversorgung zu entscheiden. So spricht die neue Studie auch die von der Betreibergesellschaft jährlich ausgeschüttete Dividende oder die regionale Vermarktung überschüssiger Wärme an. Geschäftsführer Lenk erklärt: „Bei guter Dämmung, wie sie für Neubauten bereits gesetzlich gefordert ist, sinkt der Wärmebedarf erheblich. Wenn die Betreibergesellschaft aber nicht genug Wärme verkaufen kann, geht die Rechnung nach der Investition nicht auf. Oftmals müssen dann im Nachhinein noch Invest-Zuschüsse gegeben werden.“

 

Auch die Hessische Landesregierung beurteilt das Konzept von Bioenergiedörfern, die auf lokalen Nahwärmenetzen basieren, kritisch. In einem Bericht zum Leitprojekt „Bioeffizienzdorf Hessen 2010-2012“ stellt das Hessische Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz fest, dass hier insbesondere die Wirtschaftlichkeit der Konzepte in Frage gestellt werden muss. Zudem vernachlässige das Konzept des Bioenergiedorfs die landespolitischen Ziele der Effizienzsteigerung.

 

Eine Weiterentwicklung des Bioenergiedorfs sieht die Hessische Landesregierung daher im Bioeffizienzdorf. Dabei werden Energieeffizienzmaßnahmen, wie Gebäudedämmung und die Nutzung moderner Brenntechnik, mit dem Einsatz von Erneuerbaren Energie, wie z.B. Solarthermie, verknüpft. Im Ergebnis lasse sich das Landesziel, den Anteil Erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch um 20% zu erhöhen, mit dieser technisch-wirtschaftlichen Lösung wesentlich besser erreichen. Gleichzeitig zeige es auf, wie Bürger mit vertretbarem Aufwand und für sie selbst lohnend einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten können.

 

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