19.04.2017

Flüssige Brennstoffe sind Partner der Wärmewende

Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion der Thüringer Allgemeinen,

 

am 29. März 2017 veröffentlichten Sie unter dem Titel „Klimagesetz: Thüringen muss jetzt zu einer Entscheidung finden“ einen Gastbeitrag von Prof. Viktor Wesselak. Folgendes möchten wir dazu anmerken:

 

Flüssige Brennstoffe sind Partner der Wärmewende

 

In seinem Beitrag fordert Prof. Wesselak eine entschlossenere Treibhausgasreduktion in Thüringen und warnt vor dem Fehlschluss, dass der Freistaat anderen Ländern diesbezüglich weit voraus sei. Denn ein großer Teil der in Thüringen verbrauchten Energie wird außerhalb von Thüringen erzeugt und fließt in viele Berechnungen nicht ein. Soweit stimmen wir mit seiner Forderung nach einer aktiven Emissionsreduzierung in allen Sektoren überein.

 

Zu kurz gedacht sehen wir aber die recht pauschal formulierte Forderung, Fahrzeuge und Heizungen, die heute noch Heizöl, Benzin oder Diesel verbrauchen, ab 2025 bzw. 2030 nicht mehr zu verkaufen oder zu installieren – also zu verbieten. Hier werden bedeutende Potenziale für die Energiewende übersehen; denn vor allem moderne Brennwertheizgeräte können zu den von ihm angeführten Emissionseinsparungen beitragen und perspektivisch auch klimaneutrales Heizen ermöglichen.

 

Das besondere Potenzial der flüssigen Energieträger für die Energiewende liegt in den geringeren Modernisierungskosten und der Versorgungssicherheit durch die private Bevorratung bei gleichzeitig hohen Energie- und CO2-Ersparungen. Diese Kombination gelingt, weil moderne Brennwerttechnik nach und nach mit erneuerbaren Energien kombiniert und so der Heizölbedarf reduziert werden kann, bis es nur noch zum Ausgleich der unregelmäßigen Verfügbarkeit der erneuerbaren Quellen wie Solarthermie, Holzkaminöfen oder Photovoltaikstrom dient.

 

Bereits der einfache Tausch einer alten Ölheizung durch ein modernes Öl-Brennwertgerät spart bis zu 30 Prozent Energie und damit Heizkosten. Im Vergleich hat diese Modernisierungsmaßnahme ein sehr gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis, was die Investition für Verbraucher attraktiver gestaltet. Über den Ausbau der Brennwerttechnik zu Hybridheizsystemen kann der Anteil der erneuerbaren Energie im Wärmemarkt stetig gesteigert werden bis hin zu einem klimaneutralen Heizsystem. Aktuell arbeitet die Brennstoffforschung an klimaneutralen, flüssigen Brennstoffen, die in Zukunft mit nur kleinen technischen  Anpassungen an den Geräten das heute noch fossile Heizöl ersetzen werden.

 

Die pauschale Forderung, ab 2030 keine Modernisierungen mit fossil betriebenen Heizkesseln mehr zuzulassen, würde dieses enorme Potenzial ungenutzt lassen – zumal in einem eher dünn besiedelten Land wie Thüringen alternative erneuerbare meist strombasierte Heizungsformen aufgrund der zusätzlich benötigten Netzinfrastrukturen besonders kostspielig wären. Das gerade diskutierte Thüringer Klimagesetz lehnen wir in Übereinstimmung mit anderen Verbänden ab. Da es aber im Koalitionsvertrag vereinbart wurde, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit wohl auch umgesetzt werden. Umso wichtiger ist es, dass dieses Gesetz alle Potenziale für die Energiewende in Thüringen nutzt und Modernisierungen durch gute Verbraucherinformationen und Investitionsanreize unterstützt.

 

 

Gern stehe ich zu diesem Thema auch für Rückfragen oder ein Hintergrundgespräch zu Verfügung.Schon jetzt eine kleine Anmerkung  zum Hintergrund der Brennstoffforschung:

 

Denn benachbarte Bundesländer haben diesen Weg bereits bedacht. So steht im aktuellen Koalitionsvertrag aus Sachsen-Anhalt Seite 115 im letzten Absatz: „Wir unterstützen Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Erneuerbaren Energien, Projekte zur Bereitstellung von Systemdienstleistungen durch Erneuerbare Energien sowie innovative Projekte in Zusammenarbeit mit der Chemieindustrie, wie z. B. die Synthese von Kraftstoffen auf der Grundlage von regenerativen Quellen.“ Durch diese Kraftstoffsynthese, oft als Power-to-Gas/Liquid, Waste-to-Gas/Liquid oder Biomass-to-Gas/Liquid beschrieben, können klimaneutrale Energieträger gewonnen werden. Durch die geografische Nähe stünden diese dann ohne großen Aufwand auch in Thüringen zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Jörg Lenk
VEH-Geschäftsführer

 


Weiterführende Informationen:

  • "Wir gestalten den Wandel mit" - Postionspapier der deutschen Mineralölbranche (LINK)
  • "Bezahlbarer Klimaschutz durch Anreize statt durch Zwang" - Pressemitteilung des MEW (LINK)

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