14.12.2017

5. Jahrestagung Allianz Freie Wärme: Technologieoffene Wärmewende gefordert

•   BDH beschreibt technologieoffenes Zukunftsszenario im Wärmemarkt

•   DStGB und Allianz Freie Wärme planen Zusammenarbeit

 

 

Frankfurt am Main, 14.12.2017

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„Mit der vergleichenden Studie zu zentralen und dezentralen Wärmesystemen, weiteren Daten zur Heizungsmodernisierung im Vergleich mit der Fernwärme, inklusive der dazu gehörigen Broschüre, fünf regionalen Aktionsbündnissen, zahlreichen Materialien-Downloads auf der Website in den vergangenen zwei Jahren etc., haben wir insgesamt wirklich vieles erreicht“, resümiert Allianz Freie Wärme-Sprecher Johannes Kaindlstorfer, die Aktivitäten der Info- und Serviceplattform. Auf der mittlerweile 5. Jahrestagung, Anfang Dezember 2017, in den Räumlichkeiten der Messe Frankfurt, fordert Kaindlstorfer, dass Nah- und Fernwärme mit Anschluss-, Benutzungszwängen und Verbrennungsverboten keine Standardlösungen sein dürfen, wenn die wirtschaftlichen und energetischen Vorteile dezentraler Wärmesysteme mittlerweile mehrfach nachgewiesen seien.
(Foto: Johannes Kaindlstorfer, Sprecher Allianz Freie Wärme)


Politikberatung in den Kommunen
Tatsächlich ist der Anteil der Fernwärme in Deutschland in den vergangenen Jahren nach Angaben des bdew stetig bis auf 14 Prozent gestiegen. „Besonders im Neubaubereich lässt sich diese Entwicklung weiter nachverfolgen“, so Kaindlstorfer. Laut statistischem Bundesamt (destatis) waren es allein im Jahr 2015/16 knapp neun Prozent mehr Gebäude, die mit Fernwärme ausgestattet wurden. Hier setzt die Allianz Freie Wärme mit ihren Maßnahmen an. Neben der Basiskommunikation mit kontinuierlichen Informationen und praxisnahen Serviceangeboten wird das Bündnis im neuen Jahr verstärkt auf den Dialog mit den politischen Entscheidern vor Ort setzen. „Mit existierenden Materialien, und gezielten Unterstützungsangeboten werden wir im kommenden Jahr gemeinsam als Branche vor Ort in der Region aktiv werden, und die Kommunalpolitik wie auch Verbraucher über die Fallstricke kommunaler Eingriffe in den Wärmemarkt informieren“, beschreibt Kaindlstorfer den Schwerpunkt der Kampagnenarbeit für das Jahr 2018.


Wärmemarkt steht vor großen Herausforderungen
Der Wärmemarkt steht mit weit über 80 Prozent Anteil dezentraler Lösungen vor großen Veränderungen. Die energiepolitischen Ziele für 2020 sind nicht mehr erreichbar, bis 2030 sollen in Deutschland die Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent verringert werden, bis 2050 sogar um mindestens 80 bis 95 Prozent. Zudem soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch erheblich gesteigert werden.

„Um diese hoch ambitionierten Ziele erreichen zu können, setzt der BDH für die Zukunft auf ein technologie- und energieoffenes Szenario im Wärmemarkt. Die Bedeutung von Strom aus erneuerbaren Energien wird deutlich zunehmen, zugleich werden wir auf flüssige und gasförmige Brennstoffe nicht verzichten können. Diese werden allerdings künftig zunehmend synthetisch hergestellt oder als Biobrennstoffe erzeugt“, erklärt Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). Diese dienen als Back-up, insbesondere in Zeiten der kalten Dunkelflaute, in denen nicht genügend erneuerbarer Strom vorhanden sein wird.

Neue Studie: Technologiemix-Szenario günstiger als „almost all electric“-Szenario
Der BDH geht in seinem Zukunftsszenario für eine technologieoffene Sektorkopplung davon aus, dass man aufgrund besserer Gebäudehüllen den Energiebedarf von derzeit 800 TWh bis 2050 um etwa die Hälfte auf 400 TWh senken kann. Der dafür zugrundeliegende Energiemix besteht dann in erster Linie aus Strom aus erneuerbaren Energien und Umweltwärme. Daneben spielen sowohl Solarenergie (Solarthermie, PV) als auch die Biomasse eine Rolle. Schließlich beinhaltet der Energiemixmix im technologieoffenen Szenario auch synthetisches Gas und Öl. Auf Seite der Technologien kommen dann etwa sechs bis sieben Millionen Wärmepumpen zum Einsatz, die mit Überschüssen aus dem Netz und zusammen mit einem Back-up-Kessel, basierend auf Brennwerttechnik, das Haus versorgen. „Wie die kürzlich veröffentlichte Gebäudestudie von dena, geea und Verbänden zeigt, wird ein ‚almost all electric’-Szenario nicht die Lösung sein können“, so Lücke weiter. „Es wäre mit 1,05 Billionen Euro Investitionskosten etwa 350 Milliarden Euro teurer als das Technologiemix-Szenario inkl. Maßnahmen an der Gebäudehülle“.

Städte- und Gemeindebund setzt auf kosteneffiziente und technologieoffene Lösungen
Marc Elxnat, Referatsleiter u. a. für Kommunal- und Energiewirtschaft beim Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB), sieht in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr die Treiber der Energiewende. Aus Sicht der Kommunen müssten allerdings jetzt für die Wärmewende kosteneffiziente und technologieoffene Lösungen umgesetzt werden können. Der DStGB bedauert daher das Scheitern beim Gebäudeenergiegesetz, da darin die Chance bestand, langfristige Rahmenbedingungen bei Gebäudestandards und Fernwärme zu setzen und Inkonsistenten zu beseitigen. Für die neue Legislaturperiode sollten sich andauernd ändernde Vorschriften oder Verschärfungen unbedingt vermieden werden, um zielgerichtete Investitionen tätigen zu können. "Klimafreundliche Versorgungskonzepte der Kommunen müssen künftig durch finanzielle Anreize besser unterstützt werden. Und zwar brauchen wir keine technologiespezifische, sondern tatsächlich auch technologieoffene Lösungen“, fordert Elxnat. Mit der Allianz Freie Wärme sind dahingehend weitere Gespräche und vielleicht Projekte der Zusammenarbeit geplant.    

 

Über die Allianz Freie Wärme
Die Allianz Freie Wärme ist ein Zusammenschluss von Initiativen, Unternehmen und Verbänden aus den Bereichen Heizen und Wärme wie dem VEH. Die Akteure setzen sich zum Beispiel mit Informationen und Services im kostenfreien Freie Wärme-Radar unter www.freie-waerme.de für moderne, individuelle Heizsysteme und das Recht der Verbraucher ein, sich unabhängig und frei für das optimale Heizsystem zu entscheiden. Hierzu gehören hocheffiziente Öl- und Gasheizungen ebenso wie Holz- und Pellet-Systeme, Wärmepumpen, KWK-Systeme, Kamin- und Kachelöfen, Solarwärmeanlagen sowie Abgassysteme. Damit ist Freie Wärme das Gegenteil von zentralistischen Nah- und Fernwärmesystemen, die durch Politik und Industrie unter anderem über Anschlusszwänge und Verbrennungsverbote forciert werden und den Verbrauchern die Wahl der Wärmequelle nehmen.

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